MORTIFICATIO – Die Schwelle des Loslassens – Raum für das Neue entsteht in der Leere
Die vierte Schwelle in der Transformationsreise ist eine tiefgreifende Einladung: Loslassen. Nachdem wir in Modul 3 ein inneres „Ja“ zur Verbindlichkeit gegeben haben, gilt es nun, den Preis dieser Entscheidung anzuerkennen und bewusst zu tragen. Verbindlichkeit bedeutet immer auch Verzicht – auf Optionen, auf Gewohnheiten, auf alte Strukturen. Diese Phase ist nicht bequem. Sie fordert uns heraus, uns mit Verlust, Trauer, Leere und Kontrollverlust zu konfrontieren. Doch genau in dieser Dunkelheit – in der Nigredo der Transformation – liegt der Same für die nächste Form des Selbst.
Sterben lassen, was uns zurückhält – Die Kunst der Mortificatio
Das alchemistische Prinzip der MORTIFICATIO beschreibt den notwendigen Prozess des inneren Sterbens. Es ist das bewusste Aufgeben von überlebten Identitäten, alten Bildern, Erfolgsdefinitionen oder Sicherheitskonzepten, um Raum für ein tieferes, wahrhaftigeres Selbst zu schaffen. Verbindlichkeit ist keine Frage der Willenskraft, sondern Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit dem, was werden will. Doch das Neue kann sich erst zeigen, wenn wir bereit sind, das Alte wirklich loszulassen – mit allem Schmerz, aller Unsicherheit und allem Mut, den es dafür braucht.
Loslassen heißt nicht aufgeben – sondern freigeben.
Wir arbeiten mit dem inneren Bild des Drachen, der für unsere Schattenanteile, Ängste und Triebe steht. Ihn zu „töten“ bedeutet, die Kraft zu entfalten, nicht aus Reaktion, sondern aus bewusstem Gewahrsein zu handeln.
Raum geben, würdigen, integrieren
In diesem Modul schaffen wir einen geschützten Raum für alles, was gehen darf – und für das, was noch ungeboren ist.
Wir begleiten dich dabei:
• Den Preis der Verbindlichkeit ganz bewusst zu machen
• Das Bisherige zu würdigen: Leistungen, Beziehungen, Identitäten
• Den Trauerprozess zuzulassen: in Stille, Achtsamkeit und gemeinschaftlicher Präsenz
• Durch Vergebungsarbeit alte Konflikte und Spannungen zu lösen
• Glaubenssätze zu hinterfragen und neu auszurichten
Vergebung ist ein Schlüssel in diesem Prozess. Nicht für andere – sondern für dich selbst. Vergeben bedeutet, Freiheit zu gewinnen. Es entkoppelt uns vom Groll, vom Ärger, von der Selbstverurteilung und öffnet uns für eine neue Beziehung zu uns selbst.
DU – WIR – ES: In Beziehung mit dem, was gehen will
DU – erkennst, was du loslassen musst, um weiterzugehen: alte Rollen, Selbstbilder, Sicherheiten. Du konfrontierst Ängste vor Verlust und Leere und lernst, dich selbst in dieser Tiefe zu halten. Du entwickelst eine Praxis von Achtsamkeit, Zentrierung und innerem Raum.
WIR – gestalten gemeinsam einen rituellen Rahmen, in dem Trauer, Entschleunigung und emotionale AusdruckskraftRaum bekommen dürfen. Die Gruppe wird zur Zeugin des Loslassens – und zur Kraftquelle für Mitgefühl und Halt. Wir lernen, einander in Schwäche zu begegnen – nicht im Funktionieren, sondern im Menschsein.
ES – betrifft die kollektive Ebene: In Organisationen, Teams und Systemen zeigen sich oft alte Strukturen, die eigentlich sterben müssten – aber noch künstlich am Leben gehalten werden. Wir identifizieren solche „toten Räume“ und arbeiten an Wegen, wie Neues entstehen kann, wenn Altes würdevoll verabschiedet wird.
Facilitation-Kompetenz vertiefen
Teilnehmende der Ausbildung erweitern in diesem Modul ihre Fähigkeit, mit Übergängen, Verlustprozessen und emotionalen Tiefenräumen umzugehen. Sie lernen, Räume für Abschied, Trauer und Integration zu halten – eine zentrale Kompetenz für alle, die Transformationsprozesse professionell begleiten wollen.
Die Schwelle des Loslassens – Wenn Hingabe zur Kraft wird
Dieses Modul ist ein Tiefenmoment im Transformationsprozess. Es ist kein Akt der Schwäche – sondern eine bewusste Entscheidung, Raum für das Neue zu schaffen, indem das Alte seinen Platz bekommt: gewürdigt, verabschiedet, losgelassen.
Bist du bereit, den Mut des Loslassens zu leben?
LEHR-FACILITATION: Iris von Tiedemann
CO-FACILITATION: Maya Puig | Rebecca Raue